Mit Segen entlassen…

Wider Erwarten habe ich es geschafft, sitze tatsächlich im Fernbus nach Wien. Zum Abschied, noch einmal so wunderbar beschenkt. Erst tranken wir gemeinsam den hausgemachten Beeren-Grappa, dann gab mir der griechisch-katholische Priester den Segen mit auf den Weg. Geschwisterlichkeit? Du bist willkommen! Hätte es ein schöneres Schlußwort für meine Etappe geben können?
Zagreb und die Landschaft zeigen sich in strahlendstem Licht. Mit Wehmut schaue ich in die vorbeiziehenden Täler: ade! Bis bald? Bis bald!

Bilder erst abends, beim Fahren wird mir sonst übel.

Abschied in Zagreb

dank an petrus

Frei von jedem Druck, irgendetwas hier zu müssen, konnte ich wieder freier umhergehen, – und auch ein Stückchen fahren. Und zum Abschied ließ Petrus noch mal durchblicken, was er mir, vor allem in den Hügeln, ferne gehalten hatte! Ich war mir der Gunst immer bewußt, und sage tausend mal Dank!

Abschließend steht nun ein Walnuss-Grappe vor mir. Bestellt habe ich ihn in Erinnerung an Dada. Und so trinke ich auf ihr Wohlergehen! Möge sie gut durch die harte Zeit kommen! Und vielleicht dürfen wir uns in besseren Tagen für sie wiedersehen, das wäre wunderbar! Und dann gehe ich Gedanken zurück, rufe langsam einzelne Wegeengel auf. So sitze ich hier in einer ganz, ganz lieben Runde, umgeben auch von einigen, die dies hier lesen.

Werde taub und stumm

Nun geht irgendwie nichts mehr, es sind einfach zu viele Eindrücke. Um nicht weggespült zu werden senk ich den Blick, gehe langsam und zurückgezogen, werde taub. Ein Kaninchen könnte mich umpusten. Keine Zeichnung, wäre zu intensiv, auch kein Blick durch die Kamera, ganz reduziert alles, das kann ich nicht mehr tragen.- Nachdem ich mich frei gemacht habe von dem eigenen Anspruch, Zagreb möglichst umfassend mitnehmen zu wollen, wird mir wieder stabiler und fester. Still hier sitzen ist genug! Wieder gefunden!

Bilder einer Stadt…

…zeigen manches, aber doch immer nur ein ganz, ganz kleines Puzzleteilchen. An den Tagen zuvor gab es immer eine Richtung, hier kann ich sie ziellos wechseln. Abbiegen, kleine Gassen oder Treppchen nehmen, zurückkehren und einen anderen Schlenker tun.
Viele Museen, Theater, Kinos,…ich beginne gerade erst zu entdecken.

Aber es gibt kein Foto des Mannes, der nur mit gesenktem Blick ging und Kippen aufhob und in eine Pappschachtel tat, oder der Frau, die schon schwer bepackt Mülltüte für Mülltüte abfastete und durchsuchte, oder des Alten, der die Reste aus Plastikbechern zusammengoß und beim Weitergehen daraus trank, oder von einem derjenigen, die im zickzack laufend in jeden Mülleimer blickten,…

Zagreb

Eigentlich sollte ich jubeln, aber in diesem Ganzen hier überfordert es mich heute: Straßenbahnen, Läden ohne Ende, Menschen aller Nationen, Neues und Geschichtsvolles, Straßenverkäufer, Musik, Kopfsteinpflaster, Kathedrale,… , so laufe ich ein wenig verwirrt umher. Nun, da ich es nicht mehr sein muß, auch nicht so kraftvoll wie an den anderen Tagen. Aber mir ist, als trage ich einen Schatz. Nicht jubelnd, sondern dankbar und still!
Der Gang gestern, er erinnerte mich schon während des Gehens an das Lesen eines Buches bei Regenwetter. Sackt da nicht alles tiefer, ist es da nicht irgendwie fülliger, näher? Ein wunderschönes Schlußkapitel eines ganz, ganz besonderen und in mir bleibenden Buches.

lichter in zagreb

Im hostel: meine 5 Zimmergenossen/innen bringen zusammen gerade mal mein doppeltes Alter zusammen. Aber meine Socken verwischen das!
Diese Stadt, so unbeschreiblich, vielseitig. Bis Samstag werde ich hier bleiben, und doch nur ein Fingerhütchen voll gesehen, vielleicht ein ganz klein wenig erahnt haben. Ganz, ganz gemächlich….

Zu verwirrt, zu staunend

… zu überwältigt, zu still und zu jubelnd….
Für alle in Kurzform die Nachricht: ZAGREB!!!!!

angekommen in

zagreb

Morgen mehr! Laku noć, buona notte, good night, gute Nacht – und: DANKE!

Gewitter zum Abschied

In der Nacht, und auch jetzt, Gewitter. So verwöhnt, keinen Grund zu klagen. Morgen soll es auch so sein, also: frohen Mutes hinaus, und möglichst bald hindurch!

einfach hindurch

Mit Gamaschen und Regencape wirke ich wie eine fette Raupe. Kann nur ein Verrückter sein, der jetzt unterwegs ist, – und nicht alle sind da einer Meinung, wie man mit einem solchen umgehen sollte. Aber hier, in Petkov Breg, viel geschafft, aber leider viel zu früh am Tage um es anzunehmen: Rada zerriss die Rechnung für den Kaffee, brachte mir Kekse, ein Handtuch für die Haare, – und bot mir ein Zimmer for free an!

Foto von gestern, war nur leichter Vorgeschmack. Aber die selbstgenähten Gamaschen sind super: schrill, aber geben im nebligen Licht des Regens mehr Sicherheit, – und wiegen 300g weniger als die Hightech Gamaschen, die ich Zuhause ließ! Und durch das Motorengeräusch ist der Donner weniger laut. Gegen Mittag wird es heller…

Bunter Vogel mit Schuhen

Überall auf dem Weg ziehe ich Blicke an, gut, mit dem Rucksack verständlich. Aber steht er im Quartier und ich denke, nichts unterscheidet mich, ist es ebenso. Erst dachte ich die Hose, aber trotz Wäschen hat ihr Aussehen schon gelitten. Könnte man auch gebraucht kaufen. Die Schuhe!! Und auch die Art, wie man damit geht! – Vorhin ging ich einkaufen, die Hirschtalgsalbe, noch nicht ganz eingezogen, ließ mich in den Plastiklatschen etwas schlingern: niemand würdigte mich eines Blickes! – Gleich verlasse ich Karlovac, werde wieder zum bunten Vogel.

karlovac

Die Erinnerung an diese Stärke nehme ich mit, – und an den Regenbogen, den mir der Himmel vor dunklen Wolken schenkte!

Petrus deutete nur mal vage an, was er mir in den Bergen ferne gehalten hatte! Nochmals Dank!
Und immer wieder Wegeengel! Dozo, Snjezana und Daniel: Nein, kaufen darf ich nicht, nur dankbar annehmen!
Ich möchte niemandem Unrecht tun, aber bei Regen in Jastrebarsko angekommen, war die Quartiersuche etwas schwierig. So beschloß ich, erst den Stempel der Kirche, dann weitersuchen. Der Pfarrer konnte mir auch keine Anschrift für ein preiswertes Quartier nennen. Aber als ich ihm den von mir verlangten Preis nannte, (etwa das Doppelte dessen, was ich sonst so erfahren hatte) und dann sagte, ich würde lieber einem mittelloseren Gemeindemitglied Geld für eine einfachste Schlafstelle geben, bat er mich, eben zu warten – und schloß mir das Gemeindehaus auf,- gab mir die Schlüssel!
Nun sitze ich hier, lausche dem Chor, der mit Sr. Paula probt. Sie hatte mir vohin noch gezeigt, wie das Sofa zu verlängern ist, wo die kleine Küche ist, wo Teller und Kaffee stehn,… ANGEKOMMEN! DANKE!

Beinahe wie Neustart

Jeden Knochen spüre ich, aber dennoch fast frisch! Das Fußbad gestern abend, es tat so gut! Und ich bin froh, nach der langen Einöde weder im first class hotel, noch im nightclub Quartier genommen, sondern die letzten 6 km auch noch geschafft zu haben. Hier war es genau recht! Und nach dem Frühstück gehe ich nach Karlovac. Vielleicht hindurch, vielleicht bleibe ich: schauen wir, was der Tag bringen wird!

wohltuend

Diese Zeilen, welch eine Überraschung zum Frühstück, – und ein köstlicher Proviant für den Tag. DANKE, liebe Claudia!

Durch Spiegelung Entfachtes

Ich oder
ein Wanderer

Ich bin umgezogen
wohne jetzt in meinen Schuhen
meine Adresse wechselt
mit jedem Schritt

Kurt Aebli

ANGEKOMMEN!,für heute wenigstens. Mein gesenkter Blick und die Tatsache, dass mich meine Stöcke mehr auf dem Weg hielten, als dass ich ihnen Richtung gab, sagten mir, es sei an der Zeit, die Reserven wieder gründlicher aufzufüllen. Und KARLOVAC, was für eine Stadt! Ganz, ganz anders als alle, mit soviel Charme! Setze ich später Bilder ein, es wird ahnbar.

Es waren die Menschen, sie sitzen oder gehen in kleinen Gruppen zusammen, ihre angenehme Lebhaftigkeit,… Beim Gang durch die Stadt: alte, baufällige Häuser ist eine Sache, aber an allen Ecken und Wänden auf Spuren des Krieges zu stoßen, das ist etwas ganz anderes! Und zwischen all dem eine offen wirkende, warme Heiterkeit! Überall Kinder mit unterwegs, Lachen, freundlicher Tonfall. Beim Durchsehen der Bilder merkte ich, davon habe ich nichts eingefangen! Ich ging nochmals hinaus, noch immer reges Treiben in den Cafés und im Park, noch immer spielende Kinder, man kommt zusammen, in dieser noch immer so stark gezeichneten Stadt! Zu dunkel für das Handy. Aber das Abendbild soll wenigstens etwas Raum für die Vorstellung geben.

lebendigkeit

Sonntag in Kroatien

Früher als sonst mache ich mich auf den Weg, die alte, gewundene Landstraße wartet auf mich. Heute Abend vor fünf Wochen machte ich mich langsam auf den Weg. DANKE FÜR ALLES IN DIESEN TAGEN!
Internet gibt es erst wieder spät, wenn überhaupt, so wünsche ich mit diesem Foto von gestern einen gesegneten Sonntag.

kuerbisfest

Bossanci erreicht, viel geschafft, aber noch zu früh, um Quartier zu suchen. In Slovenien sonntags das Schweinchen, in Kroatien Lämmer in die Holzfeuer. Der Duft weht weit.

Ich weiß nicht wie, aber geschafft!! Die Umzäunungen von Garten, Tier und Haus zeigten uns, es wäre ratsam, zügig voran zu schreiten. So haben wir die Zeichnerin rüchsichtslos in der Mittagspause sitzen lassen, soll sie doch der Bär holen! Und mein treuer Begleiter und ich, wir wechselten uns ab, aber ich weiß nicht, wie viele Füße, Hufe und Flügel uns zu Hilfe kamen: nach Bakar – Fužine die härteste Etappe, Vrbovsko – Duga Resa. Nicht jeden Tag!, aber so war es gut. Da haben wir die Zuvorkommenheit von Petrus gewürdigt, und die Zurückhaltung der Waldbewohner nicht überstrapaziert!
Aber nun geht nichts mehr: HVALA I LAKU NOĆ, grazie e buona notte, danke und gute Nacht!
Doch, dieser Nachtrag zu heute soll noch sein: das Kraftfutter-Paket von Danica gab uns die notwendigen Reserven, das federleichte Geschenk von Alida begletet mich lieb, und der Wirt sah mich an, – und ließ mir ein Viertel des Preises nach, packte das Frühstück noch gratis obendrauf, und viele liebe Gespräche, in der Bar, beim Bäcker,… Wie könnte ich gehen ohne all sie?